
Im Wiesbadener Rathaus sind am 23. Januar der Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage und der Preis für Bürgermut verliehen worden. Die Stadt zeichnete die russische Historikerin Irina Scherbakowa und die Aktivistin Julia Nawalnaja mit dem Ludwig-Beck-Preis aus. Den Preis für Bürgermut erhielten die Wiesbadener Johann Zernickel und Andrej Belosludov.
Ludwig-Beck-Preis für Zivilcourage
Irina Scherbakowa wurde für ihr langjähriges Engagement als Gründungsmitglied der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial ausgezeichnet. Die Historikerin widmet sich der Aufarbeitung der Verbrechen der sowjetischen politischen Gewaltherrschaft und gilt als Sprachrohr der Freiheitsbewegung in Russland. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine lebt Scherbakowa im Exil in Deutschland.
Julia Nawalnaja wurde für ihre Unterstützung des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny bis zu dessen Tod geehrt. Sie setzt den politischen Kampf ihres Mannes fort und tritt nach Angaben der Stadt für die grundlegenden Werte der UN Menschenrechtscharta ein, dabei unter Risiko für ihre Freiheit und ihr Leben.
Die Auszeichnung für Zivilcourage ist mit 10.000 Euro dotiert. Oberbürgermeister Gert Uwe Mende stellte in seiner Rede heraus, dass Zivilcourage oft ohne Applaus beginne, im Zweifel und im Alleinstehen, und bezeichnete die Preisträgerinnen als Beispiele für den Mut, sich öffentlicher Repression nicht zu beugen.
Preis für Bürgermut: Eingreifen bei Messerangriff
Der mit 2.500 Euro dotierte Preis für Bürgermut ging an Johann Zernickel und Andrej Belosludov. Die beiden Männer hatten im April 2024 eine Nachbarin vor einem Messerangriff gerettet. Zernickel zog den Angreifer von der Frau weg und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Belosludov sicherte das vom Angreifer fallengelassene Messer und leistete Erste Hilfe. Die schwerverletzte Frau wurde nach dem Eintreffen von Polizei und Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht und dort erfolgreich operiert.
Die Nominierung für den Preis erfolgte durch den damaligen Polizeipräsidenten von Westhessen, Felix Paschek. In seiner Laudatio betonte der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Björn Gutzeit, dass der Preis nicht die Lautstärke einer Tat, sondern deren Haltung würdige. Er beschrieb das Eingreifen der Ausgezeichneten als leise und unmittelbar, aber von hohem Wert für das Zusammenleben.
Würdigung und Bedeutung der Auszeichnungen
Stadtverordnetenvorsteher Dr. Gerhard Obermayr erklärte, Menschen mit Zivilcourage und Bürgermut verdienten Aufmerksamkeit und Anerkennung, weil diese Haltung dem Gemeinwohl diene. Oberbürgermeister Mende betonte zudem, dass Wiesbaden sich als Stadt der Verantwortung, der Erinnerung und der Haltung verstehe. Die Preise sollen Personen und Institutionen ehren, die sich für das Allgemeinwohl, das friedliche Zusammenleben und die Prinzipien von Demokratie und Rechtsstaat einsetzen.
Die Verleihung fand im Festsaal des Rathauses statt. Zu den Anwesenden gehörten Vertreterinnen und Vertreter der Stadtverwaltung sowie Polizeivertreter.
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